Enterokokken – was Eigentümer wissen müssen

Enterokokken im Trinkwasser deuten auf weitere Verunreinigung hin, besonders Vermieter müssen Vorgaben beachten.

In Deutschland ist das Trinkwasser aus dem Hahn in der Regel von guter Qualität, aber nie völlig keimfrei. Eins vorweg: Die meisten Bakterien, Mikroorganismen und Viren stellen jedoch keine Gesundheitsgefahr dar. Es gibt allerdings Probleme, wenn Wasser nicht stetig fließt, sondern länger steht und Hausinstallationen darüber hinaus schlecht gewartet werden. Gemäß Trinkwasserverordnung (TrinkwV) ist vorgeschrieben, dass Trinkwasser „keine Krankheitserreger in Konzentrationen enthalten darf, die die menschliche Gesundheit gefährden können“. Enterokokken kommen überall vor und lösen nicht zwingend irgendwelche Erkrankungen aus. Viele Enterokokkenarten kommen schon von Natur aus im Menschen, aber auch ebenso in Lebensmitteln vor. Von ihnen existieren mehr als 25 Arten. Einige besitzen jedoch das Potenzial, für geschwächte oder ältere Menschen zum Problem zu werden. Wer für die Enterokokkenprüfung zuständig ist, welche Krankheiten sie auslösen können und was bei Nachweis von belastetem Trinkwasser zu tun ist, erfahren Sie im Nachfolgenden.

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Was sind Enterokokken?

Enterokokken sind Milchsäurebakterien, die ubiquitär vorkommen und nur wenige Arten lösen Krankheiten aus.
Nicht alle Enterokokkenarten sind per se Krankheitserreger. Aber: Im Trinkwasser haben sie nichts zu suchen, daher ist der Grenzwert laut Trinkwasserverordnung bei 0 pro 100ml Wasser angesetzt.

Enterokokken sind kugelförmige Bakterien, die überall vorkommen und unter anderem im menschlichen Verdauungstrakt angesiedelt sind. Sie gehören zu den Milchsäurebakterien. So sind Enterokokken beispielsweise auch oft ein Bestandteil von Probiotika für Tier und Mensch. Sie vermehren sich im menschlichen Organismus, nicht im Wasser. Allerdings können Enterokokken, besonders die Arten Enterococcus faecalis und Enterococcus faecium Infektionen beim Menschen auslösen, wenn sie in andere Körperbereiche kommen. Infektionen durch Enterokokken sind tendenziell eher in Krankenhäusern vorzufinden, allerdings gibt es immer wieder Verunreinigungen des Trinkwassers in ganzen Stadtteilen. Auch sind Enterokokkeninfektionen oft nicht einfach zu behandeln, weil einige Stämme resistent gegen zahlreiche Antibiotika sind, unter anderem auch gegen Vancomycin. Mediale Beachtung fand beispielsweise die über Monate hinweg andauernde Enterokokken-Problematik im Oberharz. Dort musste das Trinkwasser im Jahr 2020 an einigen Orten über Monate hinweg stets abgekocht werden, weil es mit Enterokokken verunreinigt war. In Ergänzung zu der bereits beschriebenen Resistenzproblematik gesellt sich der Umstand, dass Enterokokken, im Gegensatz zu anderen Bakterien, auch oft nicht sonderlich gut auf Desinfektionsmittel wie Chlor ansprechen. Findet man Enterokokken im Trinkwasser, spricht viel dafür, dass sich zudem weitere Krankheitserreger im Wasser befinden.

Gemäß Trinkwasserverordnung dürfen sich bei Überprüfung einige Bakterienarten nicht im Leitungswasser befinden. Der Grenzwert für Enterokokken liegt bei 0 pro 100ml Wasser.

Enterokokken können unter anderem die nachfolgenden Krankheiten auslösen:

  • Infektionen der Herzbeutel, der Herzklappen und der Herzinnenhaut
  • Harnwegsinfektionen
  • Infektionen der Prostata
  • Abszesse im Abdomenbereich
  • Infektionen von Unterhautgewebe sowie der Haut
  • Wundinfektionen

Besonders für Babys und immungeschwächte Menschen ist eine Enterokokken-Infektion gefährlich. Liegt eine Enterokokkenbelastung des Trinkwassers vor, muss dieses zwingend abgekocht werden. Eine gewohnheitsmäßige Verwendung des belasteten Wassers, etwa zum Zähneputzen, kann unangenehme Folgen haben.

Wie kommen Enterokokken in das Trinkwasser?

Die Ursachen eines Enterokokkenbefalls sind vielseitig und reichen von kontaminiertem Wasser in Reservoirs bis zu brüchigen Leitungen.
Ursächlich ist manchmal verunreinigtes Wasser im Reservoir, oft liegt die Problematik aber auch in schlecht gewarteten Hausinstallationen.

Das ist oft gar nicht so einfach zu ermitteln, denn Verunreinigungen durch Enterokokken von außen sind

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durch viele Quellen möglich.

Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem:

  • Enterokokkenkontamination der Wasseraufbereitungsanlagen / Trinkwasserreservoirs
  • geringer Wasserdurchlauf im entsprechenden Verteilernetz / geringe Nutzung der Trinkwasserleitung
  • alte Abwasserkanäle
  • unsachgemäß und unzureichend gewartete Hausinstallationen (Vorkommen z. B. auf Hanffasern zur Abdichtung)

Oft liegt die Quelle der Kontamination in der Hausinstallation ein Umstand, den Vermieter und beispielsweise Erben von Eigentumswohnungen oder Häusern, die vermietet werden sollen, berücksichtigen müssen. Denn: Die Verantwortung für die Kontrolle des Wassers liegt nur bis zur Grundstücksgrenze bei den Wasserwerken. Dort wird es regelmäßig Untersuchungen unterzogen. Für die restlichen Wege ab der Grundstücksgrenze sind jedoch Vermieter und Hausbesitzer verantwortlich dafür, das Wasser zu kontrollieren. Und Wasser muss fließen, um frisch zu sein. Stehen eine oder mehrere Wohnungen leer, sind Vermieter in der Pflicht, für sauberes Wasser respektive für durchgespülte Leitungen zu sorgen.

Langer Leerstand und stehendes Wasser können sich ungünstig auf die Wasserqualität auswirken. Vermieter müssen bedenken, dass die Wasserwerke nur bis zur Grundstücksgrenze prüfen.

Muss auf Enterokokken geprüft werden?

Die Trinkwasserverordnung legt fest, ob und wie oft auf Legionellen, Enterokokken und weitere Bakterien und Keime getestet wird.
Für kleine Wohnungseigentümergemeinschaften ohne große Trinkwasseraufbereitungsanlage gelten andere Vorgaben. Ebenso ergeben sich Unterschiede, ob die Wohnungen selbst genutzt oder vermietet werden.

Für Wohnungseigentümergemeinschaften gilt, dass diese sich mit einer Prüfpflicht auseinander setzen sollten, sobald eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung vorhanden ist, die einen Inhalt von mindestens 400 Litern besitzt. Auch dann, wenn mindestens eine Wohnung vermietet wird oder im Gebäude gar eine gewerbliche Tätigkeit mit Publikumsverkehr vorhanden ist wie etwa ein Büro, besteht grundsätzlich eine Untersuchungspflicht. Mindestens alle drei Jahre wird – in Abstimmung mit dem vor Ort zuständigen Gesundheitsamt – das Wasser dann geprüft. Ein- und Zweifamilienhäuser zählen jedoch nicht als Großanlage; auch WEGs mit wohnungseigener Warmwasserversorgung werden in der Regel nicht geprüft. Sollten Sie sich nicht sicher sein und beispielsweise selbst verwalten, dann fragen Sie beim zuständigen Gesundheitsamt nach, auf was in welchen Intervallen in Ihrer WEG getestet werden soll. Wenn Sie allerdings bei sich in der WEG  eine Veränderung des Wassers bemerken, sprich Farbe und Geruch sich ändern, geben Sie diese Information umgehend an die WEG-Verwaltung weiter. Auch wenn keine Großanlage im Sinne des Trinkwasserschutzgesetzes vorhanden ist und keine generelle Prüfpflicht besteht, kann es bei älteren Liegenschaften oder in WEGs, in denen viele Wohnungen über längere Zeit leer stehen, durchaus sinnvoll sein, zu testen. Dies gilt besonders dann, wenn ältere oder immungeschwächte Personen in dem Gebäude wohnen. Ein erfahrener Verwalter rät Eigentümern dazu, wann es sinnvoll oder gesetzlich indiziert ist, das Trinkwasser in der WEG zu testen und in welcher Höhe sich die Kosten bewegen. Zu den einzelnen Vorgaben der Trinkwasserschutzverordnung geht es hier.

Auch bei der Wasserthematik wird deutlich, wie wichtig eine kompetente WEG-oder Sondereigentumsverwaltung ist. Ausbleibende Wassertests, wenn sie indiziert sind, sind ebenso wenig tolerierbar wie die Nichtumsetzung von Beschlüssen.

Enterokokkentest positiv – und nun?

 

Der Nachweis von Enterokokken bedingt das Abkochgebot von Trinkwasser.

Eine Verunreinigung mit Enterokokken darf nicht ignoriert werden. Neben der Suche nach der Ursache für den Befall muss das unbedingt Wasser abgekocht werden.

Wenn tatsächlich Enterokokken nachgewiesen wurden, muss das Trinkwasser unbedingt abgekocht werden. Dabei ist daran zu denken, dass sich all die sonst ganz automatisch stattfindenden Dinge des Alltags wie das Zähneputzen oder das Befüllen von Näpfen der Haustiere ändern. Oft sind veraltete Hausinstallationen oder Rohrbrüche ursächlich für einen Enterokokkenbefall. Denkt man beispielsweise an ältere Gebäude, die hauptsächlich als Ferienobjekte Verwendung finden und in denen im Jahr 2020 die Trinkwasserleitungen nur wenig genutzt wurden, erkennt man das Problem: Stehendes Wasser und geringe Nutzung erhöhen die Chance auf Kontamination, auch im Hinblick auf Legionellen. Eine Beseitigung der Kontaminationsquelle ist bei Befall unerlässlich, ebenso ein Spülen der Leitung mit maximal möglicher Fließgeschwindigkeit nebst chemischer Desinfektion mit Chlor.

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